Panta Rhei Thementag Amerika 2015

Wasserfall

Wasserfall des Bachbeckens in der Panta Rhei

 

Moers, 07.02.15 – 6.30 Uhr. Benjamin ist pünktlich bei mir eingetroffen mit Proviant und genauso wie ich mit voller Vorfreude im Gepäck. Kurz aufgehalten durch eine Vollsperrung auf der A40 geht es weiter über die freie Autobahn bei klarem Himmel und 3°-5°C unter Null Richtung Wedemark-Brelingen. 60km vor dem Ziel werden noch schnell meine angesammelten Sanifair Wert-Bons gegen 2 Kaffee eingetauscht und wir erreichen wie geplant um 9.30 Uhr unser Ziel, die Panta Rhei.

Vor dem Eingang wurde ein großes Zelt mit Partybänken, ein Grill und Kuchenbuffet aufgebaut. Das Panta-Team ist vorbereitet. Ich nutze die noch leeren Gänge in der Anlage für einen Schnelldurchlauf und schieße die ersten Fotos. Es füllt sich rasant und es wird enger bis sich die ganzen Besucher kurz vor 11.00 Uhr in die Räumlichkeiten der ersten Etage begeben um gespannt am ersten Vortrag teilzunehmen.

11.00 Uhr Vortrag Matthias Kählig: Futter – Panta Nouri

Nouri kommt aus dem Englischen von „nourishment“ = Ernährung. Matthias Kählig stellt die Idee und die Vorzüge dieses Futters vor. Ziel war es, das Futter so natürlich wie möglich bei maximalem Erhalt der Inhaltsstoffe herzustellen, was der Panta Rhei hiermit gelungen ist. Herstellungstemperaturen von maximal 38°C und bei Drücken im Extruder von maximal 10 bar garantieren den Erhalt der wichtigen Inhaltsstoffe. Weiter konnte auf diverse Stoffe, die in den Mägen unserer Pfleglinge nichts zu suchen haben, verzichtet werden. Weizen, Warmblüter- und Vogelerzeugnisse, Lockstoffe und Konservierungsstoffe u.a. sind im Futter nicht nachzuweisen. Matthias Kählig berichtet wie das Futter zu Würmern, Brocken oder zu einer zähen Paste angerührt werden kann und als Paste beispielsweise auf ein Substrat aufgestrichen wird oder in der Dekoration versteckt wird. So können sich unsere Fische ihr Futter wie in der Natur erarbeiten. Für mich war die Idee interessant, das Futter mit Yakult anzurühren, einem probiotischen Getränk, welches die Darmflora positiv beeinflusst.

Ich habe mich schon mit vielen Sorten diverser Trockenfutter-Hersteller auseinandergesetzt und kann bestätigen dieses Futter ist einzigartig auf dem derzeitigen Markt. Aber bei allem Lob ist es unterm Strich ein recht kostenintensives Produkt und bei meinem Bedarf in der Anlage übersteigt es die finanziellen Mittel, die ich meinem Hobby für Futterkosten einräume. Natürlich ist das Futter sehr ergiebig und der Bedarf ist anscheinend deutlich geringer als bei anderen Trockenfutter Erzeugnissen, aber das wissen beispielsweise meine Oscars nicht. Die inhalieren jegliches Futter bis sie das Maul nicht mehr zu kriegen und denken nicht darüber nach ob von diesem Futter auch weniger ausreichen würde.

Was ich mir von diesem Vortrag noch gewünscht hätte, wären Fotos und weitere Informationen zur Produktion. Zum Beispiel wie die einzelnen Zutaten gewonnen und verarbeitet werden oder ob letztendlich auch nur ein Sack Fischmehl mit anderen Zusatzstoffen extrudiert werden. Vielleicht beim nächsten Mal.

Der Vortrag dauerte 40 statt 20min, was trotzdem nicht langwierig war und es blieb Zeit für eine Zigarettenpause um anschließend etwas rechtzeitiger in den Vortragsraum zu gehen und einen noch besseren Sitzplatz zu belegen.

Crenicichla zebrina

Crenicichla zebrina

 

12.00 Uhr Vortrag Jens Gottwald: Erstimporte und Expeditionen der Panta Rhei

Ich liebe diese Vorträge und ich kann nicht genug davon kriegen, auch wenn ich weite Teile der Bilder und des Vortrags schon vom letzten Thementag Amerika kannte. Trotz der Auffrischung meines Gedächtnisses kann ich den Vortrag nicht in allen Einzelheiten wiedergeben. Eine Vielzahl von Bildern direkt aus den Habitaten und von unseren Fischen, außerdem die kleinen Geschichten und Begebenheiten auf diesen Expeditionen machen den Vortrag zum Erlebnis. Ich hoffe die Panta Rhei kann hier bald mit neuem Material dienen und organisiert noch viele von derartigen Erstimporten und Expeditionen. Insbesondere im Bereich Südamerika ist das Angebot bei der Panta Rhei einzigartig und es bleibt zu hoffen, dass es dabei bleibt und noch zunimmt.

Auch Jens hat ein wenig überzogen, was die anberaumte Zeit für diesen Vortrag betrifft. Egal! Die Luft wird in dem Vortrag und bei der Anzahl der Besucher merklich knapper, aber das halte ich gerne aus. Nach diesem Vortrag haben wir etwa 10min Zeit um 2 der frisch gegrillten Bratwürstchen zu vernichten. Daumen hoch!

13.00 Uhr Vortrag Andreas Tanke: Volta Grande do Rio Xingu

Es geht noch einmal in die Heimatbiotope unserer Fische. Der Fokus dieses Vortrages liegt wenig überraschend, wer den Referenten kennt, auf den Harnischwelsen aus dem Rio Xingu. Andreas zeigt Bilder und Fundorte unserer Favoriten wie beispielsweise Hypancistrus zebra oder L174. Von einem kleinen Boot aus mit Kompressor und Luftschlauch gehen die Fänger mit Hammer und Meißel in 20-30m Tiefe um L174 aus ihren Felsspalten zu schlagen. Ein wesentlicher Punkt weshalb die L174 nie auf der Positivliste der Ibama erscheinen werden, da bei derartigen Fangaktionen die Natur Schaden nimmt. Viel mehr Schaden nimmt die Natur allerdings beim Bau des riesigen Staudamms am Rio Xingu auf dessen Auswirkungen Andreas am Ende seines bebilderten Vortrags eingeht. Das lässt den Referenten und auch uns nicht kalt mit welcher Schnelligkeit die Natur und Habitate unserer Fische vernichtet wird.

Bis das Ausmaß dieser Katastrophe tatsächlich sichtbar wird vergeht noch einige Zeit, aber zweifelslos hat dies direkte Auswirkung auf die dort vorkommenden Fische und damit auch auf unsere Aquaristik.

Bachbecken Panta Rhei

Bachbecken der Panta Rhei

 

14.00 Uhr Vortrag Matthias Kählig und Claus Döring: Panta Rhei Workshop – Strömung

Dieser Vortrag fand zur Abwechselung unten in der Anlage statt, wo sich die Besucher um ein 2,00m x 0,60m x 0,60m Aquarium gescharrt haben in denen unterschiedliche Strömungspumpen diverser Hersteller und Hydro Wizards installiert waren. Anhand fluoreszierender Kügelchen im Wasser des Aquariums konnte sehr schön die Wirkungsweise der unterschiedlichen Strömungspumpen nachvollzogen werden. Im Detail wurde auf die Strömung in der Natur und den Unterschieden zwischen laminarer und turbulenter Strömung eingegangen. Die Besucher durften mit ihren Händen ins Wasser um den wesentlichen Unterschied auf eigener Haut zu spüren.

Ohne jeglichen Zweifel bin ich von der Wirkungsweise des Panta Rhei Hydro Wizards überzeugt. Gleichermaßen konnte ich den Ausführungen von Matthias Kählig und Claus Döring folgen und glaube, dass diese Strömungspumpen konkurrenzlos auf dem Markt sind. Zoos und Schauaquarien auf diversen Kontinenten sehen heute keine Alternative mehr zum Hydro Wizard. Im Rio Ventauri Aquarium der Panta Rhei kann sich der Besucher davon überzeugen, wie die Scheibensalmer ganz ruhig in der kraftvollen Strömung von ca. 600.000l/h stehen. Während die Salmler in anderen Aquarien unermüdlich ihre Bahnen ziehen um der These nach auf diese Weise ausreichend Sauerstoff über die Kiemen aufzunehmen stehen sie im Panta Rhei Aquarium im Schwarm zusammen und atmen passiv indem sie über die Strömung das mit Sauerstoff angereicherte Wasser aufnehmen können.

Claus Döring appellierte an die Besucher, dass man nie genug Strömung im Aquarium haben könne und dass sich das sehr positiv auf die Haltung unserer Fische auswirke. Schließlich kommen weit mehr als 90% unserer Pfleglinge aus Flüssen in denen man sich kaum auf den Beinen halten kann. Er könne Faustregeln wie 3-fache Umwälzung des Beckenvolumens und andere aquaristische Aussagen zur Strömung im Aquarium nicht richtig nachvollziehen und wundere sich darüber, weshalb der Hydro Wizard wie in Zoos und Schauaquarien noch nicht den Siegeszug in unseren heimischen Aquarien angetreten hat. Ich kann an der Stelle nur für mich sprechen. Ich bin im wesentlichen genau der gleichen Meinung, was Strömung im Aquarium angeht, aber wenn ich meine Schaubecken ebenfalls mit mehreren 100.000l/h befeuern wollte, dann bewege ich mich von den finanziellen Mitteln, die ich dafür benötige, im Bereich eines Kleinwagens.

Unterm Strich ein sehr aufschlussreicher und überzeugender Vortrag, wobei ich für den Hydro Wizard nicht gewonnen werden musste. Dadurch, dass Benjamin im Februar 2014 den „kleinen“ Hydro Wizard ECM43 gewonnen hatte, kam ich schon in den Genuß dieses kleine Wunder im eigenen Becken zu testen. Glaubt mir, mit dem nötigen „Kleingeld“ in der Tasche, hätte ich die zum Verkauf angebotenen HW allesamt mitgenommen.

Auch noch einige Zeit nach Abschluss des Vortrages wurde am Workshop-Aquarium mit den Referenten gefachsimpelt, so dass wir die Zeit völlig aus den Augen verloren haben und 5min zu spät zu Jens nächsten Vortrag erschienen sind.

Heros sp.

Heros sp.

 

15.00 Uhr Vortrag Jens Gottwald: Art- und Fundortcheck per DNA

Es war beim letzten Vortrag nicht mehr ganz so voll in den Räumlichkeiten der 1. Etage, aber dafür für mich umso spannender. Ich habe schon häufiger aus Gesprächen mit Jens von seiner Vorliebe, den Fischen um winzige Teile ihrer Flossen zu erleichtern, gehört. Doch was genau er da macht und welches Ziel er im Detail damit verfolgt, war mir noch nicht ganz so transparent. Er hat uns seine Erkenntnisse anhand einiger Gattungen wie z.B. Guianacara, Satanoperca und Zwerg-Crenicichla aufgeschlossen. Mittels DNA Analysen kann Jens zweifelsfrei viele Arten und Fundortvarianten nach seinem System zuordnen. Dadurch dass fast jedem Cichliden, der durch seine Hände geht, nachher ein Stückchen Flosse fehlt, hat Jens mittlerweile eine sehr beachtliche Sammelung von DNA Proben und identifiziert so einen vermeintlichen Crenicichla wallacei als Crenicichla regani. Aber nicht nur die Art kann Jens auf diese Weise bestimmen, sondern ebenso gelingt es ihm damit Guianacara Nachzuchten aus Dänemark einem genauen Fundort zuzuordnen. Für mich war dieses Thema enorm interessant und ein krönender Abschluss von 5 sehr guten Vorträgen.

Nach dem letzten Vortrag ist es auch schon merklich leerer geworden in der Anlage. Nicht nur die Besucher sind weniger geworden, es hat auch die eine oder andere Box samt fischigen Inhalt den Besitzer gewechselt. Ich habe die Zeit nochmal genutzt einige Fotos der Fische in der Anlage aufzunehmen. Leider haben es nur 4 Hemiloricaria sp. L42 an den Niederrhein zu den Aquanies geschafft. Ich habe einfach keinen Platz im Moment, es lag nicht daran, dass ich nicht auch etwas gefunden hätte. Interessante Kandidaten gab es wieder einmal mehr als genug. Gegen 17.30 Uhr haben wir Brelingen wieder verlassen und den Heimweg bei Nieselregen angetreten.

Vielen Dank an das Panta Rhei Team für diesen sehr gelungenen Thementag!

Was die Fotografie betrifft war ich leider nicht wirklich konzentriert bei der Sache. Daher hatte ich weit mehr Ausschuss als brauchbare Aufnahmen. Trotzdem einige Bilder anbei:

 

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2 Antworten

  1. Klaus sagt:

    Eine sehr schöne und informative Webseite habt ihr da aufgebaut! Der Bericht zum Thementag gefällt mir sehr gut und die gezeigten Bilder sind toll.

    Also weiter so, ich schau bestimmt wieder vorbei!

    Gruß aus LEV
    Klaus

  2. Dieter sagt:

    Hallo ihr Aquaniesianer,

    ganz vielen Dank für den tollen Bericht und die vielen Fotos vom Panta Rhei Thementag.
    Am Thomas ist ja ein echter Literat verloren gegangen.

    Es hat richtig Spaß gemacht, das alles zu lesen. So kann man sich auch ein Bild machen, wenn man nicht dabei war beim Thementag.

    Aber für die Zukunft weiß ich eins: ich werde ganz emsig daran arbeiten, das ich auch einmal dorthin komme!

    Grüße aus Essen,
    Dieter

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