Panta Rhei Thementag Biotopaquaristik

Am Samstag, den 05.09.2015, klingelte der Wecker bereits um 05:30 Uhr morgens. Endlich ist es soweit. Der Thementag Biotopaquaristik steht an. Kaffee kochen und etwas Proviant einpacken und dann ging es los. 293 km bis zu Panta Rhei Aquatics nach Brelingen bei Hannover. Nach einer gemütlichen Fahrt und einem kleinen Stau war man um 10:00 Uhr pünktlich vor Ort.

Nach einer ersten Bestandsaufnahme der neu gestalteten Halle und der Begrüßung aller bekannten Gesichter wurden erstmal alle Becken samt Inhalt kontrolliert. Das ist wie immer einer der Höhepunkte. Becken mit asiatischem oder afrikanischen Inhalt werden betrachtet, aber halten nur auf. Neben unzähligen Barschen und Welsen in allen Größen gefallen mir bei der Panta Rhei auch immer die wunderschönen Schwärme der Salmler. Sie runden ein schönes Aquarium durch ihr Verhalten und Aussehen einfach ab.
Aufgefallen sind mir sofort die langersehnten Teleocichla, wunderschöne Crenicichla und eine Panzerwelsart, die ich noch nicht gesehen habe. Ich war mir sogar unschlüssig, ob es sich dabei um Corydoras oder Aspidoras handelt. Erstmal im Hinterkopf behalten. Jens Gottwald erklärte mir, das er die Fische von der letzten Expedition der Panta Rhei im Rio Madeira System importiert hat, aber das wird Inhalt des ersten Vortrages werden. Eigentlich seien die Tiere auch nicht verkäuflich, aber es gibt halt Ausnahmen.

Vortrag 1: Jens Gottwald: „Panta Rhei Fischfangexpedition entlang der Transamazonika“ oder Alternativtitel „Staub ohne Ende“

In dem typischen Expeditionsvortrag ging es um die erst kürzlich stattgefundene Fischfangexpedition der Panta Rhei entlang der Transamazonika Route im westlichen Teil Brasiliens. Dort wurde das Rio Madeira Gebiet auserwählt. Gezeigt wurden tolle Bilder von Crenicichla, den bereits erwähnten Corydoras, vielen Welsen und weiteren Barschen. Dazu kamen dann noch Rochen, sehr viele Schmetterlinge, eine Garnele und eine Schlange. Jens Gottwald erzählte, das er mehrere Fangortvarianten des Crenicichla regani gefunden hat, genauso wie mehrere Varianten des Biotodoma cupido. Wer Jens Gottwald kennt, weiß das er mit Flossenschnipsel DNA Proben der Fische nimmt, um nachzuweisen, das es sich um verschiedene Arten handelt. Mit seiner riesigen DNA Sammlung kann er sehr oft beweisen, woher ein gekaufter Fisch kommt. Solche Vorträge werden immer durch die schönen Bilder der Unterkünfte, Verpflegung, Fangorte usw. abgerundet.

Vortrag 2: Matthias Kählig: „Nachhaltigkeit beim Aquarienfischimport – ist das möglich?“

Im zweiten Vortrag von Matthias Kählig ging es ein wenig um die Philosophie der Panta Rhei. Es wurde gezeigt, das man mit den verschiedenen Fangvarianten niemals einen Fischbestand in den Flüssen Südamerikas gefährden könne, da immer nur ein ganz kleiner Bruchteil abgesucht werden kann und die Ausbeute so gering ist, das man es gar nicht merken kann. Die Fangvarianten sind streng geregelt. Die Keschergröße bei Amateurfängern darf zum Beispiel nicht größer sein wie 60 cm. Mit Wurfnetzen kann man maximal ein Gebiet von 10 m² befischen. Loricairiiden werden beim Tauchen mit der Hand gefangen.

Die Panta Rhei bemüht sich, einige Jungfische zu importieren und diese dann für die Aquaristik zu vermehren. Das ist schon bei einigen Arten gelungen. Als Beispiele wurde der Guianacara owroefi und der Geophagus mirabilis (Erstimport als Geophagus sp. Rio Aripuana) genannt. Beide Arten wurden mittlerweile in ganz Europa und Teilen Asiens verbreitet. Mitgebrachte Salmlerarten wurden an bekannte Salmlerzüchter übergeben, um diese für die Aquaristik zu erhalten. Diese Importsituation und die Philosophie der Panta Rhei findet auch bei der Ibama großen Anklang.

Vortrag 3: Jens Gottwald: „Bürokratische Hürden beim Export unserer Aquarienfische“

In diesem Vortrag zeigt Jens Gottwald, welche Hürden es beim Export von Aquarienfischen gibt. Es muss ein riesiger Aufwand betrieben werden, um die Fische nach Deutschland zu bringen. Nach dem Fangen der Fische geht es über mehrere ortsansässige Zwischenhändler bis in den Flieger. Es muss immer sichergestellt werden, das die Tiere während der Reise frisches Wasser bekommen. Nur wenn die Unterlagen zu 100% richtig ausgefüllt wurden, darf man die Fische am Flughafen in Empfang nehmen. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat die Panta Rhei über 700 Tüten Fisch mit nach Deutschland gebracht. Lediglich 8 Salmler sind während der Reise verstorben, was aber wohl den schlechten Straßenverhältnissen geschuldet war.

Vortrag 4: Matthias Kählig: „Energiekosten senken in der Aquaristik“

Im letzten Vortrag ging es um die Energiekosten in der Aquaristik. Es wurde aufgezeigt, das man fast 40% an Energie sparen kann, wenn man eine moderne Beleuchtung wählt, die nicht 12 Stunden am Tag mit 100% Energie leuchtet und die Leistung der Heizung in der Nacht ausschaltet. Dieses Vorgehen beruht auf den natürlichen Kreislauf in der Natur. Die Sonne geht auf und braucht eine gewisse Zeit bis sie 100% scheint. Das macht sie aber auch nur für einige Stunden und wird dann wieder schwächer wenn sie untergeht. Die Kraft der Sonne ist auch nicht an allen Tagen gleich. In der Regenzeit ist sie von Wolken verdunkelt und erreicht nie die 100%. Wenn die Sonne untergegangen ist wird das Wasser in der Nacht kühler. Wenn man dieses natürliche Verhalten an unsere Aquarien anpasst, kann man damit Energie sparen.

Die Panta Rhei wollte neue Beleuchtungssysteme vorstellen, aber leider konnte der Lieferant nicht rechtzeitig liefern. Die Panta Rhei wird demnächst Pakete verkaufen, die ein Aquarium mittels Photovoltaikanlage betreiben kann. Ausserdem werde man ein Lichtfaserkabel/bzw. Dachfenster zur Beleuchtung vorstellen, welche das natürliche Sonnenlicht zu den Aquarien befördern wird.

Zwischen den Vorträgen gab es wie immer leckeres Essen und genug zu trinken. Small Talk und Fachsimpeleien finden dabei immer statt. Die Fänger waren wie immer den ganzen Tag im Einsatz, um kurz nach 17 Uhr verliess ich mit meiner Frau als letztes die Panta Rhei. Mitgenommen habe ich natürlich die neun Exemplare des unbekannten Corydoras. Nach Kontaktaufnahme mit Ian Fuller handelt es sich um eine unbeschriebene Art. Es ist ein Zwergpanzerwels ähnlich dem Corydoras cochui, der aber in einem völlig anderen Flusssystem vorkommt. Er erhielt daraufhin den neuen Namen Corydoras CW108.

Das könnte dich auch interessieren...